Wie viel Eigenkapital sollte bereitstehen für einen Hauskauf?

Wieviel Eigenkapital ist nötig für ein eigenes Haus?

Damit der Traum vom Eigenheim nicht zum Alptraum mutiert, beugt ein gut gepolstertes Konto mit Eigenkapital wirksam vor. Wie wichtig Eigenmittel für den Hauskauf sind und aus welchen Quellen das Geld sprudelt, erfahren Sie hier.

Wo liegt die untere Schmerzgrenze für Eigenkapital?

Eine maßgeschneiderte Finanzierung für den Hauskauf basiert nicht nur auf dem monatlich zur Verfügung stehenden Kapitaldienst, den das Einkommen hergibt. Die seriöse Planung beinhaltet stets einen Anteil an Eigenkapital. Dieser Faktor dient allen Beteiligten als Sicherheitsnetz, sowohl für den Käufer als auch für den Kreditgeber. Stellt sich die Frage: Wie hoch sollte das Eigenkapital sein?

Eine umsichtige Finanzplanung setzt als oberste Prämisse an, dass im Ernstfall der Kreditnehmer wirtschaftlich weiterhin auf festen Füßen steht. Folglich sollten alle nicht wertsteigernden Aufwendungen rund um den Hauskauf aus Eigenmitteln bedient werden, da diese bei einem Verkauf nicht zu realisieren sind. Die Rede ist von den Nebenkosten sowie Verschönerungsmaßnahmen, die erfahrungsgemäß 15 bis 20 Prozent des Kaufpreises ausmachen.

Was verbirgt sich hinter den Nebenkosten beim Hauskauf?

Das lang gesuchte Traumhaus fest im Blick, übersehen zukünftige Hausbesitzer im Rahmen der Kalkulation mitunter die Nebenkosten. Da es sich hierbei um Einmal-Aufwendungen handelt, wird ihre Relevanz einfach unterschätzt. Im Fall der Fälle sind es freilich genau diese Positionen, die das finanzielle Kartenhaus zum Einsturz bringen, denn bei einem Notverkauf bleiben die folgenden Ausgaben auf der Strecke.

Beispielrechnung Hauskauf und Nebenkosten  
Kaufpreis 300.000 Euro
+ Notar, Grundbucheintrag (1,5 %) 4.500 Euro
+ Grunderwerbssteuer (6,5 %) 19.500 Euro
+ Maklercourtage (3,57 %) 10.710 Euro
Zwischensumme Nebenkosten 34.710 Euro
Kaufpreis gesamt 334.710 Euro

Zusätzlich zum Eigenkapital sollten 3 bis 4 Monatsgehälter auf der hohen Kante liegen, um bei den Wechselfällen des Lebens schnell darauf zurückgreifen zu können. Eine kaputte Waschmaschine oder ein defektes Getriebe am Auto sollten kein Desaster für die Haushaltskasse bedeuten.

Wie sammeln sich Eigenmittel am schnellsten an?

So attraktiv ein niedriges Zinsniveau für die Eigenheimfinanzierung sein mag, bewirkt es auf der anderen Seite, dass sich die Sparschatulle im Schneckentempo füllt. Für die Ansparung von Eigenkapital für den Hauskauf rücken daher Alternativen in den Fokus, wie der Bausparvertrag. Das gilt insbesondere für zukünftige Hausherren, die keinen Wert auf riskante Spekulationen legen. So funktioniert das alt bewährte Konzept:

  • Sie sparen im Lauf einer vereinbarten Ansparzeit ein Guthaben an in Höhe von 20-40 Prozent der Bausparsumme
  • Die Bausparsumme setzt sich zusammen aus einem zinsgünstigen Darlehen und dem Sparguthaben
  • Sobald eine obligate Bewertungszahl erreicht ist, wird Ihnen das vergünstige Darlehen zugeteilt

Drei Monate nach Zuteilungsreife werden Ihnen somit in einer Summe das verzinste Guthaben sowie das Bauspardarlehen ausgezahlt. Wenngleich die Höhe der Verzinsung nicht sonderlich verführerisch erscheint, ist Ihr Kapital vollkommen sicher angelegt und Sie profitieren von günstigen Kreditzinsen sowie weiteren Vergünstigungen.

So stocken Arbeitgeber und Vater Staat Ihr Eigenkapital auf

Entscheiden Sie sich für einen Bausparvertrag zum Aufbau von Eigenkapital für den Hauskauf, öffnen sich weitere Geldquellen. So subventionieren Arbeitgeber Ihre Sparbemühungen mit bis zu 40 Euro pro Monat in Form vermögenswirksamer Leistungen. Darüber hinaus bezuschusst Vater Staat Ihre Sparleistungen mit einer Arbeitnehmersparzulage sowie der Wohnungsbauprämie. Die folgende Tabelle vermittelt alle Details:

Subventionen auf private Sparleistung pro Jahr Single (Arbeitnehmer) Eheleute (1 Arbeitnehmer) Eheleute (2 Arbeitnehmer)
Arbeitnehmersparzulage:      
Maximale vermögenswirksame Leistung 470 Euro 470 Euro 940 Euro
Staatliche Förderung 9 % auf die vL 9 % auf die vL 9 % auf die vL
Höchstbetrag 43 Euro 43 Euro 86 Euro
Einkommensgrenze 17.900 Euro 35.800 Euro 35.800 Euro
Zuschuss zum Eigenkapital nach 10 Jahren aus vL 5.130 Euro 5.130 Euro 10.260 Euro
Wohnungsbauprämie (WBP):      
Subventionierter privater Sparbeitrag 512 Euro 1.024 Euro 1.024 Euro
Staatlicher Zuschuss 8,8 % (auf Sparbeitrag über vL hinaus) 8,8 % (auf Sparbeitrag über vL hinaus) 8,8 % (auf Sparbeitrag über vL hinaus)
Höchstbetrag 45,06 Euro 90,11 Euro 90,11 Euro
Einkommensgrenze 25.600 Euro 51.200 Euro 51.200 Euro
Sparbeitrag plus WBP nach 10 Jahren 5.570,60 Euro 11.141,10 Euro 11.141,10 Euro
Eigenkapital aus Subventionen nach 10 Jahren 10.700,60 Euro 16.271,10 Euro 21.401,10 Euro

Wie dieser Überblick verdeutlicht, sollten vermögenswirksame Leistungen, Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie keinesfalls unterschätzt werden. Am ausgewiesenen Eigenkapital nach 10 Jahren leistet ein unverheirateter Sparer lediglich knapp 43 Euro im Monat aus eigener Tasche, alle übrigen Einzahlungen fließen aus anderen Quellen.

Weitere Möglichkeiten für den Kapitalaufbau

Neben dem klassischen Bausparvertrag stehen weitere Möglichkeiten der Schaffung von Eigenkapital für einen Hauskauf zur Wahl. Um die folgenden Varianten handelt es sich:

Festgeld

In Zeiten niedriger Guthabenzinsen bietet zumindest das Festgeldkonto noch einen vergleichsweise erträglichen Zinsertrag. Zu bedenken ist, dass hohe Gebühren zu zahlen sind für eine vorzeitige Verfügung über das Guthaben. Wer sich dank einer fundierten Planung an die Kündigungsfristen hält, hat zum richtigen Zeitpunkt Zugriff auf seine Eigenmittel für den Hauskauf ohne Strafgebühren.

Sparbuch/Tagesgeldkonto

Ungeachtet minimaler Zinserträge, favorisieren Sparer nach wie vor das Sparbuch oder das Tagesgeldkonto. Um auf absehbare Zeit auf diese Weise eine sinnvolle Summe als Eigenkapital für den Hauskauf anzusammeln, ist eiserne Disziplin oberste Pflicht. Idealerweise zahlen Sie einen monatlichen Festbetrag ein, der automatisch vom Gehaltskonto umgebucht wird.

Fondssparen

Bei dieser Anlageform vertrauen Sparer dem Profi einen festen Monatsbetrag an, der diesen in den Erwerb von Fondsanteilen investiert. Steigt der Kurs der Anteile, erhöht sich zugleich das angesparte Vermögen. Die höhere Rendite gegenüber dem Sparbuch ist gleichwohl mit dem Risiko eines Totalverlustes verbunden.

Welche Formen von Eigenkapitalersatz gibt es?

Spätestens wenn sich ein Ende der Niedrigzinsen abzeichnet, sollte der Hauskauf in Angriff genommen werden. Reicht das angesparte Eigenkapital noch nicht ganz aus, macht es Sinn, nach Ersatzmöglichkeiten Ausschau zu halten. Um die Lücke zu schließen, bieten sich folgende Alternativen an:

Verwandtendarlehen

Es ist keine Seltenheit, dass Eltern, Geschwister oder andere Verwandte dem zukünftigen Hausbesitzer mit einem Kredit zu extra günstigen Konditionen unter die Arme greifen. Derartige Verwandtendarlehen werden in der Regel nicht ins Grundbuch eingetragen, noch nicht einmal nachrangig.

Arbeitgeberdarlehen

Kluge Arbeitgeber streben danach, die besten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nachhaltig ans Unternehmen zu binden. Im Rahmen dieser Strategie geben die Chefs zinsgünstige Kredite heraus und verzichten auf eine Eintragung ins Grundbuch. Ein derartiges Darlehen gilt nicht als Lohnzahlung und wird demzufolge nicht versteuert. Allerdings unterliegen eventuelle Zinsvorteile der Steuerpflicht.

Dingliche Sicherheiten

Sämtliche Wertgegenstände sind qualifiziert zur dinglichen Sicherheit als Eigenkapitalersatz. Damit kann eine Immobilie gemeint sein, kostbarer Schmuck, eine umfangreiche Briefmarken- oder Münzensammlung; sogar ein wertvolles Reitpferd. Solange eine Expertise die Werthaltigkeit nachweist, geht ein vernünftiger Banker auf das Angebot als Eigenkapitalersatz ein.

Eine Lücke im Eigenkapital schließen findige Kreditnehmer mit folgendem Kniff. Deckt das Bauspardarlehen einen Teil des Kaufpreises ab, wird es in der Regel nachrangig ins Grundbuch eingetragen. Die kreditgebende Bank mit einem erstrangig eingetragenen Darlehen erkennt mitunter das Bauspardarlehen oder zumindest den Guthabenteil als Eigenkapitalersatz an. Die Banker müssen einzig darauf aufmerksam gemacht werden.

Fazit

Damit die Hausfinanzierung nicht auf tönernen Füßen steht, sollte ein Eigenkapital von mindestens 15 bis 20 Prozent der Kaufsumme zur Verfügung stehen. Zumindest die Nebenkosten sollten aus eigenen Mitteln gestemmt werden. Das schafft ein sicheres Gefühl auf beiden Seiten, sowohl beim Kreditnehmer als auch beim Kreditgeber. Damit sich der Sparstrumpf möglichst zügig füllt, bedienen sich findige Sparer der Subventionen durch vermögenswirksame Leistungen, der Arbeitnehmersparzulage sowie der Wohnungsbauprämie. Ist das Traumhaus zum Greifen nah, wird eine eventuelle Lücke gefüllt mit einem Verwandten- oder Arbeitgeberdarlehen. Auf das Angebot dinglicher Sicherheiten als Ersatz für bare Eigenmittel sprechen Banker ebenfalls an. Steigen die Kreditzinsen, kann dieser Weg sinnvoller sein, als noch jahrelang fleißig anzusparen, während die Zinsen in den Himmel steigen.