Wann ist ein Bausparvertrag zuteilungsreif?

Wann ist ein Bausparvertrag zuteilungsreif?

Hat ein Bausparer die Phase der Ansparung absolviert, folgt daraus nicht automatisch der Eintritt in die Darlehensphase. Wann der Bausparvertrag tatsächlich zuteilungsreif ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Machen Sie sich hier mit den Kriterien näher vertraut.

Welche Mindestanforderungen sind zu erfüllen? – ein Überblick

Um in den Genuss attraktiver Bauspar-Privilegien zu gelangen, wie dem zinsgünstigen Baudarlehen, ist es nicht getan mit der regelmäßigen Einzahlung einer Sparrate. Unabhängig vom gewählten Tarif, hat der Bausparer weitere Kriterien zu erfüllen. Diese Voraussetzungen basieren auf dem Umstand, dass jede Bausparkasse nur ein begrenztes Kontingent an Geldern für die Zuteilung zur Verfügung hat. Die folgenden drei Aspekte stehen im Fokus:

  • Der Bausparer hat das Mindestguthaben angesammelt
  • Die Mindestlaufzeit ist erfüllt
  • Dem Bausparvertrag wird die erforderliche Bewertungszahl zugeordnet

Nach diesen Kriterien ergibt sich eine Reihenfolge für die Auszahlung der beantragten Darlehen. Eine Bausparkasse kann nämlich immer nur so viel Gelder herausgeben, wie anderer Bausparer einzahlen. So funktioniert das Solidarprinzip des Bausparens. Aus diesem Grunde finden Bausparer in ihrem Vertrag keine präzise Zusage, wann genau die Auszahlung des Darlehens erfolgt.

Wann ist das Mindestguthaben erreicht?

Der gewählte Bauspar-Tarif definiert die Mindestsumme, ab wann ein Bausparvertrag die Chance auf Zuteilungsreife aufweist. Angesichts der großen Anzahl an Tarifen, kann hier nur der allgemeine Rahmen festgestellt werden. In der Regel sind zwischen 25 und 50 Prozent der Bausparsumme als Mindestguthaben anzusammeln. Dieses Guthaben setzt sich zusammen aus folgenden Faktoren:

  • Die monatlichen Einzahlungen der Bausparer
  • Vermögenswirksame Leistungen von bis zu 40 Euro pro Monat
  • Die Arbeitnehmersparzulage in Höhe von 9 %, maximal 43 Euro bzw. 86 Euro jährlich
  • Die Wohnungsbauprämie in Höhe von 8,8 %, maximal 45 Euro bzw. 90 Euro jährlich

Die Ansprüche auf staatliche Zuschüsse sind an Einkommensgrenzen gebunden. Damit die Arbeitnehmersparzulage einen Beitrag leistet zum Mindestguthaben, dürfen unverheiratete Bausparer nicht mehr als 17.900 Euro und Eheleute nicht mehr als 35.800 Euro zu versteuerndes Einkommen aufweisen. Um in den Genuss der Wohnungsbauprämie zu gelangen, gelten 25.600 Euro bzw. 51.200 Euro als Rahmen. Für vermögenswirksame Leistungen selbst bestehen keine Einschränkungen hinsichtlich der Einkommenshöhe.

So wirken sich Zuschüsse auf das Mindestguthaben aus

Bausparer sollten die Auswirkungen der zusätzlichen Geldquellen nicht unterschätzen, die am Aufbau des Bausparguthabens beteiligt sind. Die einzelnen Beträge mögen auf den ersten Blick gering erscheinen. Wie die folgende Tabelle aufzeigt, sind sie mehr als nur das Zünglein an der Waage. Im Beispiel wollen 3 ledige Bausparer monatlich 150 Euro einzahlen. Wann das Mindestguthaben erreicht ist, sehen Sie hier:

  Fall 1: ohne VL und Zuschüsse Fall 2: mit VL Fall 3: mit VL und Zuschüssen
Bausparsumme 30.000 Euro 30.000 Euro 30.000 Euro
Sparrate 150 Euro 150 Euro 150 Euro
Vermögenswirksame Leistungen 0 Euro 40 Euro 40 Euro
Jährliche Sparrate 1.800 Euro 2.280 Euro 2.280 Euro
Arbeitnehmersparzulage 0 Euro 0 Euro 273 Euro
Wohnungsbauprämie 0 Euro 0 Euro 315 Euro
Mindestbausparsumme 12.916 Euro 13.414 Euro 14.002 Euro
erreicht nach 7 Jahre 5 Monate 6 Jahre 6 Monate 6 Jahre 4 Monate
Bauspardarlehen 17.084 Euro 16.586 Euro 15.998 Euro

VL = Vermögenswirksame Leistungen

Wann ist die Mindestlaufzeit absolviert?

Die Mehrzahl der Bausparkassen fixiert im Bausparvertrag eine Mindestlaufzeit aus folgendem Grund. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Bausparer das Mindestguthaben in einer Summe leisten. Es käme ansonsten zu einer Benachteiligung von fleißigen Sparern, die über viele Jahre jeden Monat einzahlen und das Solidarprinzip des Bausparens untermauern. Wann genau die Mindestlaufzeit absolviert ist, entnehmen Bausparer ihren Vertragsunterlagen.

Was besagt die Bewertungszahl? – so wird der Wert optimiert

Um das dritte Kriterium im Bunde ranken sich einige Geheimnisse, weil die Bausparkassen sich bedeckt halten hinsichtlich der Formel zur Berechnung der Bewertungszahl. Dabei ist dieser Wert maßgeblich daran beteiligt, wann Bausparer eine Mitteilung über die Zuteilungsreife des Bausparvertrages erhalten. Die Zahl selbst ist im Vertrag nachzulesen.

Um den Sinn einer Bewertungszahl nachvollziehen zu können, sorgt ein Blick ins innere System des Bausparens für Klarheit. Die Gemeinschaft der Bausparer zahlt jeden Monat in die Kasse ein. Zugleich werden allmonatlich Gelder als Darlehen ausgezahlt. Um diese Geldrotation im Gleichgewicht zu halten, steht folglich ein begrenztes Volumen zur Verfügung. Damit diese Gelder in einer gerechten Reihenfolge verteilt werden, wurde die Bewertungszahl ins Leben gerufen.

Möglichkeiten der Optimierung

Ungeachtet des Rätsels um die genaue Formel, sind die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Bewertungszahl bekannt. Um diese handelt es sich:

  • Tarif
  • Zinssätze
  • Sparguthaben
  • Regelmäßigkeit der Einzahlungen
  • Laufzeit

Erwiesenermaßen übt eine zuverlässige Zahlungsmoral einen positiven Einfluss aus auf die Entwicklung der Bewertungszahl. Bausparer mit konstanten Zahlungen in monatlichen Abständen leisten einen wichtigen Beitrag zum funktionierenden Solidarkonzept einer Bausparkasse und werden entsprechend belohnt. Gut zu wissen, dass die Bausparkassen hier keineswegs nach Gutdünken handeln dürfen. Die Berechnung der Formel unterliegt der Kontrolle durch die Argusaugen der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht).

Gibt es einen Zuteilungs-Turbo? – die Wahlzuteilung

Für immer mehr Bausparer ist Flexibilität Trumpf. Wer sich nicht herumschlagen möchte mit fest zementierten Kriterien für die Zuteilungsreife, schließt zum Tarif mit Wahlzuteilung ab. Hier ist die Mindestbausparsumme nicht festgezurrt, sondern darf schwanken zwischen 25 und 50 Prozent der Bausparsumme. Die Mindestlaufzeit liegt bei freundlichen 2 Jahren. So funktioniert das Prinzip:

  • Ab der Erreichung von 25 Prozent der Bausparsumme kann die Zuteilung beantragt werden
  • Grundsätzlich ist die Zustimmung der Bausparkasse erforderlich
  • Wer zugleich die Zielbewertungszahl zum Stichtag erreicht hat, erhält die Zuteilung

Diese Flexibilität kostet indes einen höheren Darlehenszinssatz oder resultiert in höheren monatlichen Raten. Wichtig zu beachten ist, dass der jeweilige Stichtag 3 Monate vor dem Monat der Zuteilung liegt. Erfüllt der Bausparer beispielsweise am 31.03. alle Kriterien, wird am 30.06. zugeteilt.

Wie geht es nach der Zuteilung weiter? – Tipps für Bausparer

Flatterte die Mitteilung der Bausparkasse über die Zuteilungsreife ins Haus, ist die bange Frage nach dem ‚Wann‘ geklärt. Jetzt rücken andere Fragen in den Vordergrund, denn vom Bausparer wird nun eine Entscheidung erwartet. Die folgenden vier Vorgehensweisen stehen zur Auswahl:

Antrag auf das Bauspardarlehen

Hierbei handelt es sich um die klassische Vorgehensweise bei Zuteilungsreife eines Bausparvertrages. Wenngleich der Bausparer einen Rechtsanspruch auf das zinsgünstige Darlehen hat, ist hierzu ein Antrag erforderlich. Erst nach einer ausführlichen Bonitätsprüfung erfolgt die tatsächliche Zusage, wann Bausparguthaben, Zinserträge, Zuschüsse und Darlehen ausgezahlt werden.

Verzicht auf das Bauspardarlehen

Wenngleich ein Bausparer sämtliche Kriterien für die Zuteilung eines Darlehens erfüllt, impliziert dies keine Abnahmepflicht. Es steht ihm immer noch frei, lediglich die Überweisung des Guthabens einschließlich der Zinserträge zu veranlassen. Abhängig vom gewählten Tarif, gibt es Bonuszinsen obendrauf als Dank für den Verzicht auf die Finanzierung.

Bauspardarlehen zurückstellen

Da es mitunter in den Sternen steht, wann ein Bausparvertrag zuteilungsreif ist, kann das Darlehen sogar ungelegen kommen. Wurde beispielsweise mit dem Hausbau noch gar nicht begonnen oder die Traumimmobilie noch nicht gefunden, wären verfrühte Zins- und Tilgungszahlungen wirtschaftlich sinnlos.

Bausparsumme erhöhen

Mit jeder Mitteilung über die Zuteilungsreife einher geht der Vorschlag durch die Bausparkasse, den Vertrag zu verlängern durch die Erhöhung der Bausparsumme. Dabei gilt es zu bedenken, dass diese Option zu einer weiteren Gebühr führt.

Bausparer sollten den Abruf eines zugeteilten Darlehens nicht zu lange hinauszögern. Seit 2014 sind mehrere große Bausparkassen dazu übergangen, derartige Verträge kurzerhand zu kündigen. Das gilt insbesondere für Tarife mit vergleichsweise hohen Guthabenzinsen, die den Bausparkassen aufgrund mangelnder Refinanzierungsmöglichkeiten die Luft abschnüren.

Darf’s ein bisschen mehr sein – Mehrzuteilung beantragen

Bausparkassen haben zunehmend ein offenes Ohr für Bausparer, für deren Finanzierung das anteilige Bauspardarlehen nicht ausreicht. Mittlerweile wurden für diesen Bedarf gesonderte Tarife entwickelt, die diese Option enthalten. Auf Antrag wird die Bausparsumme nach Zuteilung soweit umgeschichtet, dass der Kreditanteil bis zu 90 Prozent beträgt. Da sich an der Laufzeit des Vertrages nichts ändert, fallen die Tilgungsraten entsprechend höher aus.

Wahlzuteilung und Mehrzuteilung schließen sich aus

Es wäre die ultimative Flexibilität, mit der ein Bausparer nahezu eigenständig bestimmt, wann der Bausparvertrag in welcher Höhe zuteilungsreif ist. Eine Kombination aus Wahl- und Mehrzuteilung würde die Unwägbarkeiten im Prozedere deutlich reduzieren. Leider spielen die Bausparkassen bislang dabei nicht mit und schließen einen solchen Tarif aus.

Schließen Bausparer einen Vertrag vor Erreichung des 25. Lebensjahres ab, erhöht dieser Umstand die Flexibilität spürbar. In diesem Fall ist ein geförderter Bausparvertrag nicht an die wohnwirtschaftliche Verwendung gebunden. Die Gelder können wahlweise in eine Immobilie, den Kauf eines Autos, eine große Urlaubsreise oder jeden anderen beliebigen Zweck investiert werden. Die staatlichen Zuschüsse bleiben trotzdem erhalten.

Fazit

Wann ein Bausparvertrag zuteilungsreif ist, zählt zu den Unwägbarkeiten einer Baufinanzierung. Es ist nicht damit getan, die Mindestbausparsumme fleißig anzusparen. Weitere Kriterien sind zu erfüllen, wie die Absolvierung einer Mindestlaufzeit. Verstärkend wirkt sich die Bewertungszahl auf die Unsicherheit aus, da sich Bausparkassen über die genaue Berechnungsformel beharrlich in Schweigen hüllen. Damit die gesamte Finanzplanung für Hausbau, Hauskauf oder Modernisierung aufgrund dessen nicht aus dem Tritt kommt, sollten sich Bausparer bereits vor Abschluss des Vertrages genau bei ihrer Bausparkasse informieren über eine Optimierung der Kriterien. Andernfalls ist ein eisernes Nervenkostüm die wichtigste Voraussetzung, um die gefühlte Ewigkeit bis zur Zuteilungsreife unbeschadet zu überstehen. Wer sich diesen Stress ersparen möchte, entscheidet sich für einen Tarif mit Wahlzuteilung.