Wie ist ein Bausparvertrag zu kündigen? – Auflösen geht so

So kündigt man einen Bausparvertrag

Der Bausparvertrag nimmt in mancherlei Hinsicht einen Sonderstatus ein, der unter anderem in den vielgestaltigen Auswirkungen einer Kündigung zutage tritt. Wir erklären im Folgenden, worauf Sie achten sollten. So beugen Sie unliebsamen Überraschungen und finanziellen Einbußen vor.

Warum ist zumeist von Auflösen die Rede statt von Kündigen?

Jeder Bausparvertrag unterliegt einer langfristigen Planung. Das gilt sowohl für den Bausparer als auch für die Bausparkasse. Im Verlauf dieser Zeit können sich die persönlichen Ziele dahingehend ändern, dass der Bausparvertrag seinen Sinn verliert und Sie ihn auflösen möchten. Wir sprechen hier bewusst nicht von Kündigung, denn das Vertragswerk enthält keinen fixen Endpunkt. Vater Staat hat den Bausparkassen sogar gesetzlich untersagt, einen präzisen Termin für die Zuteilung zu nennen.

Kann ich den Vertrag während der Ansparphase auflösen?

Prinzipiell können Sie einen Bausparvertrag jederzeit auflösen. Im ersten Schritt ist dies möglich während Sie das Bausparguthaben aufbauen. Hierbei ist eine Kündigungsfrist zu beachten von 3 bis 6 Monaten. Nach deren Ablauf erhalten Sie das eingezahlte Geld zuzüglich der Zinserträge zurück.

Wünschen Sie eine sofortige Verfügung über das Geld, schlägt eine Vorfälligkeitsentschädigung zu Buche. Die Regelungen variieren je nach Bausparkasse, sodass ein Blick in den Vertrag zu empfehlen ist.

Welche Vorteile bringt vorzeitiges Auflösen mit sich?

Es macht durchaus Sinn, aus einem langfristigen Bausparvertrag auszusteigen. Folgende Vorteile können durch diesen Schritt realisiert werden:

  • Es konnte eine rentablere Form der Geldanlage gefunden werden
  • Das Guthaben deckt einen akuten Bedarf, der andernfalls durch teure Kredite zu decken wäre
  • Die Bauzinsen sind soweit gesunken, dass ein Bankdarlehen günstiger liegt als die zugesagten Zinsen für das Bauspardarlehen

Diente der Bausparvertrag als Sicherheit für ein Bankdarlehen, sollten Sie diesen auflösen, sobald das Guthaben (nicht erst die Bausparsumme) den noch offenen Darlehensbetrag abdeckt und als Tilgung einsetzen. Das gilt insbesondere dann, wenn die aktuellen Darlehenszinsen den Zinsertrag deutlich übersteigen.

Welche Nachteile sind zu befürchten?

Das Auflösen eines Bausparvertrages geht in aller Regel mit verschiedenen Nachteilen einher, die es mit Bedacht abzuwägen gilt. Die Vorteile mögen noch so überzeugend sein; die folgenden Aspekte sollten nicht achtlos in den Wind geschlagen werden:

  • Die garantierten Zinsen für das spätere Bauspardarlehen gehen unwiderruflich verloren
  • Auflösen während der ersten 7 Jahre führt zum Verlust der Bonuszinsen im Falle des Verzichts auf das Darlehen
  • Die gezahlte Abschlussgebühr wird nicht erstattet

Besonders schmerzlich dürfte der Verlust sämtlicher staatlicher Zuschüsse sein, falls Sie als anspruchsberechtigter Sparer einen Bausparvertrag innerhalb der Sperrfrist von 7 Jahren auflösen. Einzig wenn Sie das Guthaben für wohnwirtschaftliche Zwecke verwenden, lösen sich die Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie nicht in Luft auf. Diese Auswirkungen in Zahlen offenbart die folgende Tabelle:

Kündigung eines Bausparvertrages Auflösen nach 6 Jahren Auflösen nach 7 Jahren
Bausparsumme 50.000 Euro 50.000 Euro
Monatliche Sparrate 137 Euro 137 Euro
Vermögenswirksame Leistung 40 Euro 40 Euro
Guthaben bei Auflösung 12.744 Euro 14.868 Euro
Zinsertrag 294 Euro 400 Euro
Arbeitnehmersparzulage 0,00 Euro 293 Euro
Wohnungsbauprämie 0,00 Euro 270 Euro
Bonuszinsen + 1,25 % 0,00 Euro 673 Euro
Auszahlung 13.038 Euro 16.504 Euro

Einige Bausparkassen sind dazu übergegangen, zumindest den Bonuszins anteilig auszuzahlen, wenn Sparer einen Vertrag innerhalb der Sperrfrist auflösen. Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung betragen, dass eine vorzeitige Kündigung immer auch einen Verzicht auf das zugesicherte zinsgünstige Darlehen impliziert.

Teilen statt Auflösen – der smarte Weg

Clevere Bausparer schlagen den Nachteilen einer Vertragskündigung ein Schnippchen und erhalten trotzdem das gesamte Bausparguthaben. Das funktioniert ganz einfach mittels Teilung. Vorausgesetzt der Tarif sieht diese Variante vor, genügt ein Anruf bei der Bausparkasse. In diesen Schritten gehen Sie vor:

  • Der bestehende Vertrag wird in zwei oder mehr Teil-Verträge gesplittet
  • Das Bausparguthaben fließt in einer Summe in eines dieser Module
  • Dabei wird die Bausparsumme dergestalt angepasst, dass eine sofortige Zuteilungsreife entsteht
  • Um die Zeit bis zur Auszahlung zu überbrücken, nutzen Sie einen Zwischenkredit oder eine Vorfinanzierung
  • Die verbliebenen Teilverträge werden von Null beginnend neu bespart

Da sich die Bausparsumme nicht ändert, fallen keine neuen Gebühren an. Da Sie den Vertrag per se nicht auflösen, gehen zugleich weder Bonuszinsen noch staatliche Zuschüsse verloren. Im gleichen Zug bleibt Ihnen das Recht auf ein zinsgünstiges Bauspardarlehen erhalten. Dieser taktische Kniff ist gleichwohl nur dann sinnvoll, wenn Sie grundsätzlich einen Bausparvertrag bedienen möchten und den bisherigen einzig auflösen aufgrund von aktuellem Geldbedarf.

Wie geht die Kündigung während der Darlehensphase vonstatten?

Das Prozedere rund um die Kündigung eines Bausparvertrages gestaltet sich sehr viel unkomplizierter während der Darlehensphase. Alle Zuschüsse sind geflossen und Bonuszinsen kamen erst gar nicht zum Tragen. Um jetzt den Vertrag auflösen zu können, ist einzig der kreditierte Betrag an die Bausparkasse zurückzuzahlen. Vorfälligkeitsentschädigungen fallen in der Regel nicht an, da die überwiegende Mehrheit der Tarife kostenlose Sonderzahlungen vorsieht.

Bausparvertrag grundsätzlich schriftlich auflösen

In welcher Form auch immer Sie eine Kündigung in Erwägung ziehen, sie bedarf stets der schriftlichen Form. Die meisten Bausparkassen stellen auf ihren Internetseiten Vorlagen für den Download zur Verfügung. Wahlweise verfassen Sie das Schriftstück selbst. Die folgenden Mindestangaben sollten darin enthalten sein:

  • Name und Anschrift des Bausparers
  • Nummer des Bausparvertrages
  • Datum, zu dem Sie den Vertrag auflösen

Idealerweise schließen Sie das Schreiben mit der Bitte um eine unverzügliche schriftliche Bestätigung. Versäumen Sie nicht Unterschrift und Datum. Da mit dem Zugang des Briefes die Kündigungsfrist beginnt, empfehlen wir die Versendung als Einschreiben.

Wer einen Bausparvertrag während der Darlehensphase zum Zweck der Umschuldung auflösen möchte, sollte diesen Schritt erst dann vornehmen, wenn die definitive Zusage der neuen Bank vorliegt. Finden die dortigen Damen und Herren doch noch ein Haar in der Suppe, stehen Sie vor dem Problem, das Bauspardarlehen in einer Summe zurückzahlen zu müssen.

Ist prinzipiell immer eine Kündigung erforderlich?

Scheuen Sie die Nachteile und den Formalismus, wenn Sie einen Bausparvertrag auflösen? Dann warten Sie ab bis zur Zuteilungsreife. In diesem Fall wendet sich die Bausparkasse an jeden Sparer mit der Bitte um eine Entscheidung, wie mit dem Bausparguthaben weiter zu verfahren ist. Auf dem zugesandten Formular teilen Sie mit, ob Sie das Darlehen in Anspruch nehmen oder über das Guthaben verfügen möchten.

Eine Kündigung erübrigt sich ebenfalls, bzw. obliegt nicht mehr Ihrer Verantwortung, wenn Sie einen Bausparvertrag auflösen mittels Verkauf. Bei den Aufkäufern handelt es sich zumeist um Finanzdienstleister, die sämtliche Formalitäten abwickeln. Da sich in diesem Segment einige schwarze Schafe tummeln, empfehlen wir diesen Schritt erst nach einer dezidierten Informationssammlung.

Kündigung durch die Bausparkasse – wie ist das möglich?

Mitte 2014 ging es los. Vermehrt schickten Bausparkassen ihren Kunden die Kündigung des Bausparvertrages ins Haus, ungeachtet der ursprünglich vollmundigen Versprechungen von Treue und Zuverlässigkeit. Ursache für dieses unrühmliche Verhalten waren und sind die sehr niedrigen Zinsen. In Altverträgen sind Guthabenzinsen festgeschrieben, deren Höhe von 3 bis 6 Prozent in der heutigen Zeit die Bausparkassen in Bedrängnis bringt.

Die erste Kündigungswelle richtete sich an Sparer, deren Vertrag ‚voll bespart‘ war. Bei diesen Bausparverträgen entspricht der Guthabenanteil der Bausparsumme und hat somit seine eigentliche Funktion einer Baufinanzierung verloren. Da die Inhaber den Vertrag einzig als Geldanlage nutzen, kann die Bausparkasse diesen auflösen. Die zweite Kündigungwelle richtet sich an Bausparer, die seit mehr als 10 Jahren das Bauspardarlehen für ihren zuteilungsreifen Vertrag nicht abgerufen haben.

Auflösen oder wehren? – Diese Optionen stehen bereit

Die Betroffenen der ersten Kündigungswelle müssen die Aktion der Bausparkasse wohl hinnehmen und ihren Vertrag gezwungenermaßen auflösen. Strittig ist hingegen die Rechtmäßigkeit der zweiten Kündigungswelle und weiterer Aktionen der Bausparkassen, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Wer seinen Bausparvertrag nicht unter Zwang auflösen möchte, sollte so vorgehen:

  • Innerhalb von 6 Monaten der Kündigung widersprechen
  • Den zuständigen Ombudsmann der Bausparkasse kontaktieren
  • Alternativ einen Fachanwalt konsultieren

Während die Beratung durch einen Ombudsmann kostenlos ist, kann das gerichtliche Vorgehen mittels Fachanwalt zu erheblichen Kosten führen. Wer über keine Rechtsschutzversicherung verfügt, die eine Deckungszusage leistet, sollte mit Bedacht vorgehen. Bei einem Bausparvertrag von 50.000 Euro belaufen sich die Gerichtskosten in der ersten Instanz bereits auf etwa 9.000 Euro.

Wenn Sie einen Bausparvertrag während der Ansparphase auflösen, beträgt die Vorfälligkeitsentschädigung 1 Prozent der Bausparsumme für jeden Monat der Kündigungsfrist von 3-6 Monaten. Das entspricht einem Jahreszins von satten 12 Prozent. Treten Sie diesen Anspruch an Ihre Hausbank ab, um im Gegenzug in Höhe des Bausparguthabens einen kurzfristigen Kontokorrent-Kredit zu erhalten, zahlen Sie maximal 6-8 Prozent Zinsen. Das ergibt bei einer Bausparsumme von 20.000 Euro und einem vorfinanzierten Guthaben von 10.000 Euro eine Einsparung von 800 bis 900 Euro bei einer 6-monatigen Kündigungsfrist.

Fazit

Ein Bausparvertrag ist sehr viel mehr als eine Geldanlage. Das Vertragswerk symbolisiert die Verwirklichung vom Traum einer eigenen Immobilie. Es sollten daher schon triftige Gründe bestehen, wenn Sie eine Kündigung in Betracht ziehen. Auflösen können Sie einen Bausparvertrag sowohl während der Ansparphase als auch im Verlauf der Darlehensperiode. Zuvor sollten alle Vor- und Nachteile bedachtsam abgewägt werden. Mit der Kündigung während der Ansparung einher gehen schlimmstenfalls erhebliche finanzielle Verlust, wie den Bonuszinsen oder den staatlichen Zuschüssen. Unkomplizierter können Sie den Vertrag auflösen, wenn Sie das Darlehen erhalten haben, da keine Vorfälligkeitsentschädigungen anfallen.