Bausparvertrag auszahlen lassen? – Die 6 besten Optionen

Wie man sich einen Bausparvertrag auszahlen lässt

Im Laufe der Jahre klettert das Bausparguthaben immer höher. Über kurz oder lang ist der Zeitpunkt für die Zuteilungsreife und daraus resultierende Auszahlung erreicht. Wem die Wartezeit zu lange dauert, lässt sich früher auszahlen. Wir erklären hier die 6 besten Optionen.

Wie verläuft der reguläre Weg bis zur Auszahlung? – Option 1

Ein Bausparvertrag durchläuft zwei Phasen, die in der Regel nicht nahtlos ineinander übergehen. Mit Zahlung der letzten Rate auf das Bausparguthaben ist die Ansparphase beendet. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung geht es nun nicht automatisch mit der Gewährung des Bauspardarlehens weiter; vielmehr tritt als Übergang die Zuteilungsphase in Kraft. Dabei wird geprüft, ob folgende Voraussetzungen für die Auszahlung der Bausparsumme erfüllt sind:

  • Die tariflich vereinbarte Mindestsumme für das Bausparguthaben ist geleistet
  • Die für die Sparzeit festgelegte Mindestlaufzeit ist absolviert
  • Die erforderliche Bewertungszahl für die Zuteilung ist erreicht

Während die ersten beiden Kriterien leicht nachzuvollziehen sind, wirft die Ermittlung der Bewertungszahl unter Bausparern immer wieder Fragen auf. Tatsache ist, dass jede Bausparkasse nach einem individuellen Berechnungssystem vorgeht und um die Formel ein Geheimnis macht. Da es bei einer Zuteilung immer auch um Ihr mühsam aufgebautes Bausparguthaben geht, empfehlen wir, bereits vor Vertragsabschluss in diesem Punkt genau nachzuhaken.

Fünf Perspektiven für Ihr Geld

Über die Erreichung der Zuteilungsreife werden Sie von Ihrer Bausparkasse frühzeitig informiert. Bei aller Freude über die Nachricht, sind Sie damit gerade erst eingeschwenkt in den Zieleinlauf. In Ihrer Post befindet sich nämlich ein Formular, das von Ihnen eine Entscheidung verlangt über die folgenden fünf Perspektiven rund um Ihr Bausparguthaben und das erworbene Recht auf ein Bauspardarlehen.

Bauspardarlehen beantragen

Bei dieser gängigsten Vorgehensweise mündet der Bausparvertrag in die Schaffung von Wohneigentum oder eine Modernisierungsmaßnahme. Ausgezahlt werden das Bausparguthaben, Zinserträge, eventuelle Prämien sowie ein Darlehen.

Auszahlung des Bausparguthabens

Mitunter haben sich die privaten Pläne dahingehend geändert, dass kein Wunsch mehr besteht nach einem Bauprojekt. In diesem Fall erfolgt die umgehende Überweisung des Bausparguthabens inklusive des Zinsertrages. Einige Bausparkasse legen noch einen Bonus für den Verzicht auf das Darlehen dazu. Auf wohnwirtschaftlich gebundene Prämien werden Sie in diesem Fall hingegen verzichten müssen.

Bauspardarlehen hinauszögern

Genügt Ihnen zunächst das Bausparguthaben, um die ersten Rechnungen zu begleichen? Dann besteht die Möglichkeit, das Darlehen zu einem späteren Zeitpunkt abzurufen. Alleine im Hinblick auf die Zinsersparnis und die Liquiditätsentlastung macht diese Perspektive Sinn.

Bausparvertrag verlängern

Die Zuteilungsreife impliziert nicht, dass Sie umgehend mit dem Bau oder Kauf einer Immobilie beginnen müssen. Stattdessen steht es Ihnen frei, auf die Zuteilung zu verzichten und das Bausparguthaben weiter aufzubauen. Für die Erhöhung der Bausparsumme fällt freilich nochmals eine Gebühr an.

Mehrzuteilung beantragen

Üblicherweise setzt sich die Bausparsumme zusammen aus dem Bausparguthaben mit 40 Prozent und dem Bauspardarlehen mit 60 Prozent. Da niemand auf so lange Sicht präzise planen kann, enthalten einige Tarife die Option einer Erhöhung des Kreditanteils. Wichtig zu beachten ist, dass sich die Gesamtlaufzeit nicht ändert. Die Folge sind deutlich höhere Monatsraten, weit über die monatlichen Zahlungen in das Bausparguthaben hinaus.

Ein Bauspartarif mit Wahlzuteilung bietet mehr Flexibilität. Wer eine möglichst frühe Zuteilung der Bausparsumme anstrebt, wählt bei Vertragsabschluss diesen besonderen Tarif. Dann zeigt sich bereits nach Ablauf der Mindestsparzeit der Silberstreifen eines warmen Geldregens am Horizont.

Wie erfolgt die Auszahlung während der Ansparphase? – Option 2

Sind bei einem Bausparvertrag weder das Mindestsparziel erreicht noch die Mindestlaufzeit absolviert, besteht gleichwohl die Möglichkeit auf eine Auszahlung. Unter Verzicht auf alle bislang erworbenen Bauspar-Privilegien können Sie sich das Bausparguthaben überweisen lassen nach einer Kündigungsfrist von 3 bis 6 Monaten. Noch schneller geht es bei Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung.

Teilen statt kündigen – die Lösung mit Köpfchen

Für Antragsberechtigte auf die Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie ist die Auszahlung von Bausparguthaben während der Ansparphase mit herben Verlusten verbunden. Erfolgt die Kündigung innerhalb der siebenjährigen Sperrfrist, sind alle staatlichen Zuschüsse verloren. Das muss nicht sein. Indem Sie den Vertrag teilen, haben Sie einerseits Zugriff auf das Bausparguthaben und kommen andererseits weiterhin in den Genuss der Fördermittel. So geht es:

  • Der vereinbarte Tarif sieht die Möglichkeit einer Teilung vor
  • Das Bausparguthaben fließt in einen Teil-Vertrag
  • Dank angepasster Bausparsumme entsteht eine sofortige Zuteilungsreife
  • Für die verbliebene Bausparsumme wird ein neuer Bausparvertrag abgeschlossen
  • Es fallen keine Gebühren an, da die ursprüngliche Bausparsumme in der Addition erhalten bleibt

Auf diese Weise wird eine Kündigung umgangen, die mit dem Verlust der staatlichen Zuschüsse und dem Anrecht auf ein zinsgünstiges Bauspardarlehen einher gegangen wäre. Dieser Plan greift indes nur, wenn der neue Bausparvertrag bespart werden kann.

Wie funktioniert eine Vorfinanzierung? – Option 3

Das Traumhaus ist zum Greifen nah, bis zur Zuteilungsreife dauert es indes noch eine gefühlte Ewigkeit. Wer mit diesem Problem konfrontiert wird, dürfte sich über die Perspektive einer Vorfinanzierung freuen. Für diesen Finanz-Kniff – auch als Zwischenkredit bezeichnet – haben Bausparkassen immer ein offenes Ohr. In der Regel ist das Bausparguthaben bis zur Mindestgrenze eingezahlt, wobei andere Faktoren die Zuteilung behindern. So funktioniert eine Vorfinanzierung:

  • Der Zwischenkredit umfasst sowohl das Bausparguthaben als auch das Bauspardarlehen
  • Der Bausparvertrag bleibt bestehen, um bei Zuteilung die Vorfinanzierung in einer Summe zu tilgen
  • Für den Zwischenkredit fallen einzig Zinsen an und keine Tilgung
  • Nach Zuteilung des Bausparvertrages setzt der normale Kapitaldienst für das Bauspardarlehen ein

Die Crux dabei liegt insbesondere in der Tatsache, dass Sie für Ihr Bausparguthaben zusätzlich Zinsen zahlen müssen bis zur Zuteilung des Bausparvertrages. Erst dann reduziert sich der Betrag auf das tatsächlich in Anspruch genommene Darlehen. Die folgende Tabelle verdeutlicht den Zusammenhang in Zahlen. Ausgegangen wird von einer Bausparsumme in Höhe von 200.000 Euro mit einem Bausparguthaben von 80.000 Euro und einer Vorfinanzierung von 12 Monaten.

  Bausparvertrag ohne Vorfinanzierung Bausparvertrag mit Vorfinanzierung
Bausparguthaben 80.000 Euro 80.000 Euro
Bauspardarlehen 120.000 Euro 120.000 Euro
Bausparsumme 200.000 Euro 200.000 Euro
Monatliche Zinsen Vorfinanzierung 4 % 0 Euro 667 Euro
Zinsen gesamt 12 Monate 0 Euro 8.000 Euro
Zuteilung Bauspardarlehen 2,3 % Laufzeit 10 Jahre Laufzeit 10 Jahre
Monatliche Rate 1.000 Euro 1.000 Euro
Zinsen gesamt 22.282 Euro 30.282 Euro

Kann ein Bausparguthaben beliehen werden? – Option 4

Während Vorfinanzierung oder Zwischenkredit ausschließlich zweckgebunden erfolgen, kann eine Beleihung von Bausparguthaben für völlig andere Finanzierungen stattfinden. In diesem Fall übernimmt der Bausparvertrag die Funktion der Besicherung eines Ratenkredits oder Annuitätendarlehens. Der Vorteil liegt wiederum darin, dass eine vorzeitige Kündigung abgewendet wird und auch die staatliche Förderung nicht verloren geht.

Dient die Beleihung von Bausparguthaben der Deckung eines kurz- bis mittelfristigen Liquiditätsbedarfs, rücken seriöse Pfandleiher in den Fokus. Zu durchaus akzeptablen Zinsen und Gebühren verfügen Sie von heute auf morgen über die benötigten Geldmittel. Darüber hinaus erfolgen weder eine Anfrage noch eine Meldung an die Schufa, was im Hinblick auf die später folgende Immobilienfinanzierung von nicht unerheblichem Vorteil ist.

Wer kauft einen laufenden Bausparvertrag? – Option 5

Hat ein Bausparguthaben die Mindestgrenze erreicht, besteht nicht immer Bedarf für das daraus resultierende Darlehen. Statt nun lediglich eine Auszahlung einschließlich der Zinsen zu beantragen, entscheiden clevere Bausparer sich für einen Verkauf des gesamten Vertrages. Immerhin stellen die erworbenen Ansprüche auf ein günstiges Darlehen und die wohnwirtschaftlichen Zuschüsse ebenfalls einen Wert dar. In diesen Schritten gehen Sie vor:

  • Eine Zustimmung der Bausparkasse für den Verkauf ist nicht erforderlich
  • Von den verschiedenen Ankäufern mehrere Angebote einholen
  • Erst nach einem dezidierten Vergleich den Bausparvertrag verkaufen

Ein Verkauf von Bausparguthaben mitsamt dem Vertrag sollte nur dann in Betracht gezogen werden, wenn die Auszahlung durch die Bausparkasse sich zu sehr in die Länge zieht. Die Aufkäufer werben zwar mit einer zügigen Überweisung der Kaufsumme, lassen sich diesen Service gleichwohl in Form von Gebühren entlohnen.

Kann ein Bausparvertrag übertragen werden? – Option 6

Ist ein Bausparer dank glücklicher Fügungen nicht mehr auf ein Bausparguthaben und das damit verbundene Bauspardarlehen angewiesen, kann er den kompletten Vertrag auf ein Familienmitglied übertragen. Im Gegensatz zum Verkauf ist in diesem Fall die Zustimmung der Bausparkasse erforderlich, da eine Bonitätsprüfung stattfindet. Ein Rechtsanspruch für die Übertragung besteht nicht.

Der infrage kommende Personenkreis erstreckt sich von den Kindern und Eltern über die Geschwister bis hin zu allen Verwandten in gerader Linie. Darüber hinaus ist eine Übertragung auf Verlobte denkbar, auf die Ehegatten der Geschwister sowie die Geschwister der Ehegatten.

Die jährlichen Zinserträge aus einem Bausparguthaben unterliegen der Steuerpflicht. Den pauschalen Steuersatz von 25 Prozent führt Ihre Bank unmittelbar ans Finanzamt ab. Dem können Sie einen Riegel vorschieben mithilfe eines Freistellungsauftrages. Einzelpersonen stehen pro Jahr 801 Euro an steuerfreien Zinseinkünften zu. Bei Eheleuten erhöht sich der Freibetrag auf 1.602 Euro. Antragsformulare hält jede Bank für Sie bereit.

Fazit

Jeder Bausparvertrag gelangt früher oder später zur Auszahlung, damit der lang gehegte Wunsch nach einer eigenen Immobilie oder einer Modernisierung von Wohneigentum Wirklichkeit wird. Verläuft alles in normalen Bahnen, reicht der Geduldsfaden für die Ansparphase, die Übergangszeit bis zur Zuteilung und die anschließende Darlehensperiode. Dank verschiedener Optionen kann das Bausparguthaben bei Bedarf vor dem Termin in einen warmen Geldsegen umgewandelt werden. Es ist unbedingt empfehlenswert, sich mit allen Alternativen vertraut zu machen, denn unbedachtes Handeln führt schlimmstenfalls zu schmerzhaften finanziellen Einbußen.