Welche Bausparsumme ist die richtige? – Tipps zur Optimierung

Die richtige Bausparsumme festlegen

Um von den Vorteilen eines Bausparvertrages bestmöglich zu profitieren, ist die Bausparsumme der Dreh- und Angelpunkt. Wie Sie die ideale Höhe gekonnt einschätzen oder im laufenden Vertrag optimieren, erläutern wir hier in allen Details.

Wie setzt sich die Bausparsumme zusammen?

Die Bausparsumme ist die Kombination aus dem Ansparguthaben und einem Bauspardarlehen. Diese Summe wird beim Abschluss des Bausparvertrages festgesetzt. Nachdem über einen vereinbarten Zeitraum eine Mindestsumme von durchschnittlich 40 Prozent der Bausparsumme angespart wurde, resultiert daraus das Anrecht auf die Zuteilung des zinsgünstigen Darlehens. Die folgende Tabelle verdeutlicht anhand zweier Fallbeispiele, wie sich aus monatlichen Sparbeträgen eine beträchtliche Bausparsumme entwickelt:

Fall 1 Fall 2
Bausparsumme 50.000 Euro (100 %) 200.000 Euro (100 %)
Sparbeitrag pro Monat 167 Euro 667 Euro
Ansparung nach 10 Jahren 20.040 Euro 80.040 Euro
Zinsertrag 532 Euro 2.032 Euro
Abschlußgebühr 500 Euro 2.000 Euro
Kontoführung 72 Euro 72 Euro
Guthaben 20.000 Euro (40 %) 80.000 Euro (40 %)
Bauspardarlehen Laufzeit 10 Jahre 30.000 Euro (60 %) 120.000 Euro (60 %)
Zinsen 2,3 % 2,3 %
Monatsrate 300 Euro 1.200 Euro
Zinsen gesamt 3.472 Euro 13.892 Euro
Agio 2 % 600 Euro 2.400 Euro
Kosten gesamt 4.072 Euro 16.292 Euro

Die Bedeutung des Aufgeldes (Agio) sollte nicht unterschätzt werden. Bausparkassen locken häufig mit extra niedrigen Darlehenszinsen und erheben im gleichen Zug ein Agio zwischen 1 und 3 Prozent. In Wahrheit handelt es dabei um versteckte Zinsen. Bausparer erhalten das Bauspardarlehen zu 100 Prozent ausgezahlt, um 101 bis 103 Prozent zurückzuzahlen.

Gibt es staatliche Zuschüsse?

Zu den primären Vorteilen des Bausparens zählt die staatliche Förderung, mit deren Hilfe sich die Bausparsumme zusätzlich erhöht. Wer zu den Anspruchsberechtigten zählt, darf sich über Zuschüsse freuen in der Größenordnung von mehreren Tausend Euro. Alle 3 Optionen werden im Folgenden vorgestellt sowie einer Tabelle zur Veranschaulichung der geldwerten Auswirkungen auf eine Bausparsumme ohne und mit Gewährung dieser Finanzspritzen:

Vermögenswirksame Leistung

Enthält der Arbeitsvertrag die Zahlung von vermögenswirksamer Leistung, kann diese für die Einzahlung auf eine Bausparsumme bestimmt werden. Der Arbeitgeber zahlt in diesem Fall bis zu 480 Euro pro Jahr in monatlichen Raten unmittelbar in Ihren Bausparvertrag ein. Einen Rechtsanspruch auf Zahlung von VL gibt es nicht. Indes sind sie fester Bestandteil der meisten Tarifverträge.

Arbeitnehmersparzulage

Lassen Sie sich die vermögenswirksame Leitung auf Ihren Bausparvertrag auszahlen, legt Vater Staat noch einen Scheffel obendrauf. Mit Ihrer jährlichen Einkommensteuererklärung beantragen Sie die Arbeitnehmersparzulage in Höhe von 9 % im Jahr. Ausgezahlt wird diese in einer Summe nach Ablauf der Bindungsfrist von 7 Jahren unmittelbar auf den Vertrag. Für die Gewährung gelten Einkommensgrenzen von 17.900 Euro für Singles und 35.800 Euro für Verheiratete.

Wohnungsbauprämie

Aus einem dritten Topf können Gelder in Ihre Bausparsumme fließen, ohne dass Sie hierzu den Geldbeutel öffnen müssen. Wer eine bestimmte Einkommensgrenze nicht übersteigt, erhält jährlich auf einen Sparbetrag von maximal 512 Euro einen Zuschuss in Höhe von 45,06 Euro (8,8 %). Wiederum gilt eine 7-jährige Sperrfrist bis zur Gutschrift. Hier liegt die Messlatte für die Gewährung etwas höher mit 25.600 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen für Singles und 51.200 Euro für Eheleute.

Vertrag ohne Zuschuß Vertrag mit Zuschüssen
Laufzeit Ansparung 10 Jahre 10 Jahre
Sparbeitrag pro Monat 170 Euro 170 Euro
Ansparung nach 10 Jahren 20.400 Euro 20.400 Euro
Vermögenswirksame Leistung 0 Euro 4.800 Euro
Arbeitnehmersparzulage 0 Euro 400 Euro
Wohnungsbauprämie 0 Euro 900 Euro
Zinsertrag 500 Euro 600 Euro
Abschlussgebühr 500 Euro 700 Euro
Guthaben nach 10 Jahren 20.400 Euro 26.400 Euro
Bauspardarlehen 32.600 Euro 42.200 Euro
Bausparsumme 53.000 Euro 68.600 Euro

Zahlt der Arbeitgeber über 10 Jahre monatlich vermögenswirksame Leistungen in Höhe von 40 Euro ein, resultiert daraus bei einer gleichen Sparrate von 170 Euro pro Monat eine um 15.600 Euro höhere Bausparsumme.

Die Bezeichnung Bausparsumme impliziert keine zwingende Verwendung für ein Bauprojekt oder eine Sanierung. Sofern in den Vertrag keine Wohnungsbauprämien oder Vermögenswirksame Leistungen einflossen, kann über die Verwendung des Geldes frei entschieden werden. Für geförderte Bausparverträge besteht eine Sperrfrist von 7 Jahren oder sämtliche Zuschüsse sind zurückzuzahlen.

Wie ist die optimale Höhe zu ermitteln?

Für jeden Bausparer gilt eine individuelle Bausparsumme als die ideale Lösung. Diese wird in erster Linie bestimmt vom angestrebten Ziel und den finanziellen Möglichkeiten. In diesem Zusammenhang darf nicht übersehen werden, dass die später folgende Rate für das Bauspardarlehen die Ansparrate deutlich übersteigt, wie die beiden obigen Fallbeispiele verdeutlichen. Dient ein Bausparvertrag dem Kauf eines Eigenheims, resultiert daraus eine andere Größenordnung, als für eine Modernisierung oder den Bau eines Wintergartens. Die folgenden Aspekte bestimmen somit die optimale Höhe einer Bausparsumme:

  • Der finanzielle Rahmen für die Ansparung und den späteren Kapitaldienst
  • Die Höhe des vertraglich vereinbarten Mindestsparguthabens
  • Art und Umfang einer staatlichen Förderung
  • Der gewählte Bauspar-Tarif
  • Die Höhe der Abschlussgebühr und des Aufgeldes (Agio)

Darüber hinaus spielt der zeitliche Faktor eine Rolle. Die Erreichung des festgesetzten Mindestsparguthabens alleine genügt nicht, um die Zuteilung des Bauspardarlehens zu beantragen. Mit hinein spielen eine Mindestsparzeit, Mindestvertragsdauer und Mindestbewertungszahl. Wer nicht ewig und drei Tage auf die Erfüllung seines Immobilientraumes warten möchte, sollte mit rationalem Kalkül eine vernünftige Balance schaffen zwischen Höhe der Bausparsumme in Relation zur Zeit.

Kann die Bausparsumme im Nachgang erhöht werden?

In Anbetracht der vielfältigen und individuellen Einflussfaktoren, zieht sich die Laufzeit eines Bausparvertrages über viele Jahre oder gar Jahrzehnte hin. Über einen solch langen Zeitraum können sich die persönlichen Perspektiven ändern oder der Karrieresprung spült mehr Geld in die Haushaltskasse. Im Rahmen einer Erhöhung der Bausparsumme sollten folgende Aspekte abgewägt werden:

  • Grundsätzlich ist eine Erhöhung bis zur maximalen Bausparsumme der Bausparkasse möglich
  • Der bisherige Vertrag wurde noch nicht zuteilungsreif
  • Einige Tarife schließen eine Erhöhung grundsätzlich aus
  • Es ist eine erneute Abschlussgebühr fällig in Bezug auf die Aufstockung
  • Die Laufzeit bis zur Zuteilungsreife verlängert sich
  • Eine bis dato erworbene Bewertungszahl reduziert sich

Ungeachtet möglicher Nachteile, punktet eine Aufstockung der Bausparsumme immer noch gegenüber dem Abschluss eines Neuvertrages. Immerhin profitieren Sie weiterhin von den bislang mühsam aufgebauten Bausparvorteilen, wenn auch in leicht abgewächtem Umfang.

Ist eine Anpassung nach unten möglich?

Erweist sich nach einiger Zeit die Bausparsumme als zu hoch, kann diese reduziert werden. Dient der Bausparvertrag nun doch nicht der Finanzierung eines Bauvorhabens oder gibt das monatliche Einkommen die Sparrate einfach nicht mehr her, ist eine Anpassung nach unten empfehlenswert zur Vermeidung finanzieller Engpässe.

Nachteilig wirkt sich dabei aus, dass die gezahlte Abschlussgebühr nicht erstattet wird. Andererseits erfolgt die Umstellung ohne die Erhebung neuer Gebühren. Als positiver Nebeneffekt dürfte zu bewerten sein, dass es häufig zu einer schnelleren Zuteilung des Bauspardarlehens kommt.

Kann über die Bausparsumme jederzeit verfügt werden?

Tritt ein unerwarteter Finanzbedarf auf, richtet sich für dessen Abdeckung der Blick natürlich auch auf einen laufenden Bausparvertrag. Auf das Ansparguthaben als Teil der Bausparsumme haben Sie jederzeit Zugriff, indem der Vertrag gekündigt wird. In der Regel ist eine Kündigungsfrist von 3 Monaten zu beachten, die auf Kosten einer Vorfälligkeitsentschädigung zu umgehen ist. Die gezahlte Abschlussgebühr sowie alle erworbenen Bewertungspunkte für die Zuteilungsreife sind im gleichen Zug verloren.

Die clevere Lösung bei akutem Geldbedarf: Teilung statt Kündigung

Statt blindlings das aufgelaufene Guthaben anzufordern, lässt sich mit ein wenig Köpfchen die Summe der zur Verfügung stehenden Geldmittel sogar erhöhen. Das funktioniert ganz einfach durch die Teilung der Bausparsumme auf zwei Verträge. So funktioniert es:

  • Das Guthaben fließt in einen Teilbausparvertrag
  • Die darin festgesetzte Bausparsumme bewirkt eine sofortige Zuteilungsreife
  • Über den verbliebenen Rest der ursprünglichen Bausparsumme wird ein neuer Vertrag abgeschlossen

Der neue Vertrag verfügt über kein Guthaben, sodass er von Null beginnend bespart wird. Für das neue Konstrukt fallen erfreulicherweise keine Abschlussgebühren an, da sich die Bausparsumme selbst nicht geändert hat. Unter dem Strich steht Ihnen somit nicht nur das Guthaben zur Verfügung, sondern das anteilige Bauspardarlehen obendrein.

Fazit

Trotz minimaler Guthabenzinsen punktet Bausparen nach wie vor mit überzeugenden Vorteilen. In erster Linie spielen hier staatliche Subventionen mit hinein, wie vermögenswirksame Leistungen, Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie. Herzstück in diesem Zusammenspiel ist die Bausparsumme, bestehend aus dem angesparten Guthaben und einem zinsgünstigen Darlehen. Die Höhe dieser Summe will mit Bedacht gewählt sein. Hieraus resultiert nicht nur der spätere Gesamtbetrag, der für die Baufinanzierung oder Modernisierung zur Verfügung steht. Weitere Faktoren sind davon abhängig, wie die Höhe von Kosten und Gebühren sowie der zeitliche Rahmen bis zur Verwirklichung des Bauprojektes. Gleichwohl ist die Höhe nicht fest zementiert, denn eine Anpassung der Bausparsumme ist in der Regel jederzeit möglich. Wer sich die erworbenen Vorteile und Vergünstigungen nicht entgehen lassen möchte, optimiert einen laufenden Bausparvertrag kurzerhand durch Teilung.